agree21

Mit dem Release von agree21 können Banken in sämtlichen Banking-Bereichen noch effizienter arbeiten. Vom Vertrieb über die Steuerung bis hin zur Produktion profitieren die Mitarbeiter von den umfassenden Neuerungen.

Nichts dem Zufall überlassen

Horst Möller, 53

ist diplomierter Bankbetriebswirt (Akademie Deutscher Genossenschaften). Seit August letzten Jahres ist er in der Gesamtprojektleitung für die Migration auf agree21. Er war verantwortlich für die Migration der Heidekreisbanken sowie der Hannoverschen Volksbank eG und hat Erfahrung in mehr als 250 Migrationsprojekten seit 2004.

Marian Gabrielski, 46

hat Wirtschaftsinformatik studiert und begann 1997 bei der GAD. Bei der Migration der Heidekreisbanken sowie der Hannoverschen Volksbank war er für sämtliche Aktivitäten der abgebenden Rechenzentrumsseite verantwortlich. Seit Anfang 2015 ist er in der Gesamtprojektleitung für die Serienmigration der bank21-Banken auf agree21.

Die Migration auf agree21 ist das bislang größte Projekt seiner Art in der Geschichte der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Horst Möller und Marian Gabrielski berichten über Status und Verlauf.

Was unterscheidet die Migration auf agree21 von bisherigen Migrationsprojekten?

Horst Möller: Auch bei früheren Fusionen von Rechenzentralen haben wir bereits Serienmigrationen durchgeführt. Das bedeutet: Die Grundlogik hat sich bewährt und ist uns gut vertraut. Aber die Komplexität der IT-Systeme hat sich mit den Jahren stark erhöht. Hinzu kommt, dass bisher zwischen dem Zusammenschluss der Rechenzentralen und der Migration des jeweiligen Bankverfahrens mehrere Jahre lagen. Aufgrund des Kostendrucks in den Banken können wir uns die Zeit aber diesmal nicht lassen.
Um die angekündigten Synergien für unsere Eigentümer schnellstmöglich zu heben, braucht es diesen herausfordernden Migrationsplan. Und nicht zuletzt sprechen wir von einer Migration von über 400 Instituten. In dreieinhalb Jahren! Alle Mitarbeiter in den Banken erlernen in kurzer Zeit eine neue Anwendung – eine bislang einmalige Herausforderung für die bank21-Institute, für unser Haus und auch für die beteiligten Verbundpartner. Und dies insbesondere in einer Zeit, in der parallel große Veränderungen in der Bankenlandschaft und im Wettbewerb zu meistern sind.

Wo stehen wir bei dem Projekt heute?

Horst Möller: Bereits im vergangenen Jahr haben wir die Migrationen der Heidekreisbanken und der Hannoverschen Volksbank eG erfolgreich durchgeführt. Im November folgte die Volksbank Hildesheim eG, die am selben Tag mit der ehemaligen Volksbank eG Pattensen technisch fusionierte. Im April und im Juni 2016 standen die beiden Pilotserien planmäßig zur Migration an, und wir tun derzeit sehr viel dafür, den Aufwand für die Serienbanken ab 2017 so gering wie möglich zu halten. Wir wissen, dass es für die einzelnen Banken ein großer Kraftakt sein wird.

Warum sind die Pilotserien so wichtig für das Projekt?

Marian Gabrielski: Um weitere Erfahrungen zu sammeln und somit die Serienfähigkeit zu optimieren. Unser oberstes Ziel ist, die Belastungen für die Banken zu reduzieren. Bei Einzelmigrationen lässt sich vieles manuell regeln und durch zusätzliches Personal ausgleichen. Bei einer Serienmigration ist das schon allein durch die Masse kaum möglich. Deshalb überprüfen wir bei allen Aktivitäten und Aufgaben, die im Rahmen der bisherigen Migrationen zu erhöhten Aufwänden geführt haben, ob sie sich durch technische Automation Optimierungen erreichen lassen. Wir drehen sprichwörtlich jeden Stein um und stellen alle Themen auf den Prüfstand, um zu schauen, was wir noch besser machen oder mit weniger Aufwand umsetzen können.

Blick in die Zukunft

Auch nach dem ersten agree21-Release mit der Kennung „16.1“ läuft die Migration auf agree21 weiter auf Hochtouren. Bis Ende 2019 sollen alle rund 400 bank21-Institute auf das neue Verfahren umgestellt sein. Migriert wird in sogenannten Serien. Darin sind jeweils fünf bis sieben Banken zusammengefasst, die in einer Region sitzen und sich aufgrund ihrer geographischen Nähe gut an einem Wochenende geschlossen migrieren lassen. Insgesamt gibt es 64 solcher Serien.

Muster-Migrationsplan Bank auf Agree21

Mikroplan Diagramm

Migration der Datenbestände

Migration der Datenbestände Diagramm

Serienmigration

Serienmigration Diagramm

Serienmigrationsplanung 2015 - 2019

Serienmigrationsplanung Diagramm

Change-Projekt

Change-Projekt Diagramm

Release Planungen bis 2019

Release Planungen Diagramm

Volles Vertrauen

Martin Hose, 63

ist Diplom-Kaufmann und begann seine berufliche Laufbahn 1973 mit einer Lehre bei IBM. Später bekleidete er in dem Konzern rund 20 Jahre unterschiedliche Führungspositionen und verantwortete unter anderem die Liniensteuerung. Zur Fiducia wechselte er 1999 und leitete dort ab 2003 das Produktmanagement, das mit dem Zusammenschluss zur Fiducia & GAD in Produkt- und Portfoliomanagement umbenannt worden ist.

Für die Asset- und Releaseplanung von agree21 ist bei der Fiducia & GAD der Bereich Produkt- und Portfoliomanagement verantwortlich. Ein wesentliches Instrument ist dabei der Arbeitskreis Asset, in dem Vertreter aus 18 bank21-Instituten mit der Fiducia & GAD regelmäßig den aktuellen Status besprechen und Empfehlungen für die nächsten Schritte geben. Martin Hose leitet das Produkt- und Portfoliomanagement der Fiducia & GAD:

Herr Hose, was halten Sie bei dem Migrationsprojekt für die größte Herausforderung?

Das Banksystem ist das Herz einer Bank, ohne das sie nicht funktionieren kann. Für uns ist deshalb zum einen das volle Vertrauen der Institute ein Muss, dass wir sie bei diesem sensiblen Umstellungsprozess kompetent beraten und begleiten. Die zweite Herausforderung ist die Umsetzung der wesentlichen Assets. Mit dem Arbeitskreis Assets haben wir hierfür eine hervorragende Plattform geschaffen.

Welche Bedeutung hat die Migration für die Zukunft der Banken?

Das kann man in zwei Worten zusammenfassen: Kosteneinsparungen und Leistungssteigerungen. Der Zusammenschluss erzeugt Synergieeffekte, die wir an die Banken weitergeben werden – das ist unser Versprechen für 2020. Und: Da wir nach der Fusion insgesamt mehr Kapazitäten besitzen, profitieren die Banken in Zukunft von umfangreicheren fachlichen und technischen Entwicklungen.

Und wie profitiert die Genossenschaftsgruppe insgesamt?

Alle Unternehmen in der Gruppe sind Teil eines immer rasanteren Wettbewerbs. Dank der gebündelten Entwicklungskompetenz, die sich aus der Fusion ergeben hat, entfallen kostenintensive Doppel-Entwicklungen. Darüber hinaus wird bei der Fiducia & GAD Innovationspotenzial freigesetzt, das der gesamten Gruppe in den kommenden Jahren zugute kommt. Wir sind für die Herausforderungen des Marktes bestens aufgestellt. Heute schon.

Sich aufeinander verlassen

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Robert Ketterer, 54

ist gelernter Bankfachwirt. Nach diversen Tätigkeiten in einer Volksbank Raiffeisenbank begann er 1991 bei der Fiducia als Anwendungsberater. Seit 2003 steuert er Gremien und ist Projektleiter im Portfolio- und Produktmanagement.

Frank Golüke, 55

Vereinigte Volksbank eG in Brakel, Bereichsleiter Privatkundenbetreuung: „Die Fiducia & GAD hat mit offenen Karten gespielt, und das war große Klasse. Wir hatten sofort volles Verständnis. Seitdem der Arbeitskreis zusammenkommt, ist ein enges Vertrauensverhältnis zwischen uns und der Fiducia & GAD entstanden. Wir fühlen uns heute mehr denn je bei unserem IT-Dienstleister aufgehoben.“

Klaus-Dieter Hinze, 49

Volksbank in Schaumburg eG, Bückeburg, Leiter Unternehmensservice, über den Besuch der Fiducia & GAD vor Ort: „Die Kollegen von der Fiducia & GAD haben sich einen ganzen Tag Zeit für uns genommen, um uns und unsere Prozesse kennenzulernen. Das spricht für eine hohe Wertschätzung sowie das Interesse, die Bedürfnisse und Anforderungen der Banken bei den Planungen zu berücksichtigen. Mein Eindruck war, dass die Mitarbeiter der Fiducia & GAD uns wirklich verstehen wollten.“

Barbara Weckermann, 53

studierte Politik- und Kommunikationswissenschaften. Bis 2006 war sie für verschiedene Banken beratend sowie im Projektmanagement tätig, bevor sie zur GAD kam. Bei der Fiducia & GAD leitet sie das Portfoliomanagement.

Verantwortlich für den Arbeitskreis Asset sind die beiden Produkt- und Portfoliomanager der Fiducia & GAD, Barbara Weckermann, 53, und Robert Ketterer, 54. Von Workshop zu Workshop, berichtet Weckermann, sei der Austausch offener und die Arbeit konstruktiver geworden, geprägt von hoher Wertschätzung. „Die Aufbruchstimmung war von Anfang an da“, erinnert sie sich, aber: „Was sich entwickeln musste, war das gemeinsame Bewusstsein, sich aufeinander voll und ganz verlassen zu können.“

Einen wesentlichen Beitrag hierzu haben die sogenannten Tiefenbohrungs-Workshops geleistet. Vertreter der Fiducia & GAD prüften dabei im vergangenen Jahr zusammen mit Vertretern der bank21-Institute regelmäßig die Assets auf Herz und Nieren, die aus bank21 in agree21 integriert werden sollen. Die intensiven Gespräche führten alle Beteiligten an einen neuen Punkt: „Plötzlich“, so Ketterer, „haben wir gemeinsam reflektiert, was in agree21 künftig wirklich nötig ist, und wo es gilt, alte Zöpfe abzuschneiden.“

Ein weiterer wichtiger Schritt: Produktmanager der Fiducia & GAD besuchten bank21-Banken, um ihre Bedürfnisse und Erwartungen an agree21 besser kennenzulernen. Barbara Weckermann: „Man konnte vor Ort förmlich spüren, wie alle Seiten aufeinander zugingen.“ Kein Wunder also, dass es auch nicht zum Stressthema wurde, als erste Anpassungen in der Zeitplanung erforderlich wurden. Aufgrund der Komplexität des Projektes wurde klar: Ein Teil der Assets würde in agree21 nicht auf Anhieb mit Release 16.1 umgesetzt werden können, sondern erst nach und nach. „Die Erkenntnis“, so Weckermann, „wurde von beiden Seiten getragen – das war uns sehr wichtig.“

Vom Nehmen und Geben

Thomas Völker
Norbert Gössling und Torsten Janßen

Auf Initiative der Fiducia & GAD haben agree-Banken Patenschaften für Banken übernommen, die von bank21 auf agree21 migrieren. Die VR-Bank Chattengau eG und die Volksbank im Harz eG gehörten zu den ersten, die bei dem Modellprojekt mitmachten.

Ende November 2015 hatten beide Banken begonnen, sich durch gegenseitige Besuche vor Ort kennenzulernen. Die Banken trennen gerade einmal eineinhalb Autostunden voneinander. Inzwischen ist die Volksbank im Harz mit Sitz in Osterode auf agree21 migriert. Welche Erfahrungen haben die Partnerbanken in den zurückliegenden Monaten gemacht?

Thomas Völker, 54, Vorstand bei der VR-Bank Chattengau, Gudensberg bei Kassel:
„Die Fiducia & GAD hatte im Sommer 2015 bei uns angefragt, ob wir zu einer solchen Patenschaft bereit seien. Wir waren sofort Feuer und Flamme für die Idee. Ein solches Modell hätten wir uns bei unserer Migration auch gewünscht, nachdem sich 1999 das Genossenschaftliche Rechenzentrum Kassel mit der Fiducia zusammengeschlossen hatte.

Wir wissen heute: So eine Migration ist viel mehr als ein technischer Wechsel auf ein neues System. Wir hatten seinerzeit alle Hände voll damit zu tun, unsere hausinternen Prozesse umzustellen und anzupassen. Das Ganze ist aber keine Einbahnstraße. Auch wir profitieren umgekehrt von den Erfahrungen der Kollegen aus dem Harz. Nachdem dort die Prozesse unter den aktuellen Bedingungen umgestellt worden sind, können auch wir eine Menge für uns lernen.“

Norbert Gössling, 49, und Torsten Janßen, 51, Vorstände bei der Volksbank im Harz, Osterode bei Göttingen:
„Die Hilfsbereitschaft der Chattengauer war und ist enorm, sie hatten von Anfang an ein offenes Ohr für unsere Fragen und halfen uns immer, die theoretischen Grundlagen aus den Schulungen anhand ihrer praktischen Erfahrungen zu vertiefen. Neben rein technischen Aspekten lag der Mehrwert für uns in den Erfahrungen der Kollegen bei der Anpassung der bankinternen Prozesse.

Ein Beispiel: Die VR-Bank Chattengau hat die Vorgangssteuerung in agree sehr stark perfektioniert. Der kleine Dienstweg per Telefon war dabei wichtig, aber noch wichtiger war, dass wir uns immer von Angesicht zu Angesicht austauschen konnten. Erst so wurde aus dem gegenseitigen Kennenlernen ein gelebtes Vertrauensverhältnis. Auch nach der Migration sind wir noch einige Zeit auf der Nehmerseite. Aber dann werden wir auch etwas zurückgeben.“

Wir sind dabei

Die Umstellung auf agree21 ist das größte Migrationsprojekt in der Geschichte der Genossenschaftsbanken. Aber wer sind eigentlich die Gesichter dahinter? Mehr als 450 Anwendungsentwickler setzen ihr ganzes Know-how ein, damit die Umstellung fristgerecht und zuverlässig läuft. Ein paar von ihnen stellen wir hier vor.

Ilona Wernert, 53

Aufgabenbereich: Design übergreifender Abläufe in der Entwicklung, mit Schwerpunkt auf automatischen Verfahren und Prüfungen

„Ich bin an einfachen, transparenten Lösungen und Vorgehensweisen interessiert, damit das Unternehmen die Migration schnell, sicher und mit Qualität umsetzen kann.“

Michael Gahn, 39

Aufgabenbereich: Koordination und Einplanung der Erweiterungen bei Bilanzanalysen und Vermögenswerten

„Für mich ist die Teilnahme am Migrationsprojekt aus zwei Gründen etwas Besonderes: erstens, weil die Themenstellungen vom Tagesgeschäft abweichen, und zweitens, weil die Zukunft von agree21 von den Banken maßgeblich mitgestaltet wird.“

Jennifer Klein, 47

Aufgabenbereich: Realisation der Migrationssoftware für das Produkt Avalverwaltung

„Dass ich an agree21 mitwirke, erfüllt mich mit Stolz. Warum? Weil es strategisch eines der wichtigsten Projekte für uns ist. Daran wird unser Erfolg gemessen – heute und in Zukunft.“

Ilka Michalik, 60

Aufgabenbereich: Erstellung von Datenmigrationssoftware

„Die Migration der bank21-Institute ist aus meiner Sicht die Grundlage für den Erfolg der neu entstandenen Firma. Mir ist wichtig, dass bei den Banken am Migrationstag alles zur vollsten Zufriedenheit verläuft und sie danach problemlos weiterarbeiten können.“

Heiko Krott, 40

Aufgabenbereich: Planung und Koordination der Tests der Migrationssoftware als Teil der Qualitätssicherung

„Das Thema Migration ist für mich ein neues Betätigungsfeld und daher reizvoll. Zudem ist die Umstellung der bank21-Institute ein integrativer Bestandteil des Verschmelzungsprozesses beider Häuser.“

Thomas Sasse, 50

Aufgabenbereich: Maschinelle Bewertung von Hinweis- und Fehlermeldungen

„Was mir gefällt: Ich habe das Gefühl, einen sinnvollen Beitrag zu leisten und gewinne durch die intensive Teamarbeit viele neue Einsichten. Ich kann meinen Erfahrungsschatz einbringen und habe zugleich Spielraum für viel Kreativität.“

Georg Bauer, 50

Aufgabenbereich: Datenmigration für die Bereiche Darlehen, Transaktionssignale und Zahlungs-vereinbarungen

„Eine vergleichbare Migration hat es wohl in der IT-Welt noch nicht gegeben.Nach Abschluss unseres Projektes benutzt etwa die Hälfte der gut 2000 in Deutschland existierenden Banken dasselbe IT-System agree21.“